Newsletter von Bundeskoordinierung spezialisierter Fachberatungsstellen

Liebe Kolleg*innen, liebe Interessierte,

ob Gespräche mit der Katholischen Kirche, eine eigene Kurzfilmproduktion oder prominente Unterstützung für unsere Kampagne 100% für Beratung: es war eine Menge los bei der Bundeskoordinierung mit dem komplizierten Namen.  Wir freuen uns, Euch und Sie in diesem Newsletter Anteil an diesen Entwicklungen haben zu lassen und laden schon jetzt zu einem gemeinsamen Fachtag und der nächsten Vollversammlung im Januar 2020 nach Berlin ein.

Wir wünschen eine interessante Lektüre und schicken herzliche Grüße,

das Team der BKSF-Geschäftsstelle

Neues aus der BKSF
Kampagne ,100% für Beratung' bekommt prominente Unterstützung

Zum Ende unserer Kampagne stellen sich Rapperin Sookee, Moderator Tarik Tesfu (Jäger&Sammler), Agi Malach (Vulvinchen) und Profiboxerin Sarah Scheurich  hinter das Anliegen "100% für Beratung". Gemeinsam mit uns stehen sie für ein Recht auf Fachberatung, eine gesicherte öffentliche Finanzierung und einen Ausbau des Unterstützungssystems ein. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir gerade diese Unterstützer*innen für unsere Sache gewinnen konnten. Alle haben sich schon früher gegen Gewalt und Diskriminierung in verschiedenen Kontexten stark gemacht.

Im Vorfeld hatten wir die Kolleg*innen in den Fachberatungsstellen nach ihren absurdesten Stories im Kampf um Finanzierung gebeten. In den folgenden Videos reagieren unsere prominenten Unterstützer*innen ehrlich und spontan auf diese Geschichten:

„Da muss Kohle fließen“
„Die Realität ist leider ganz anders“
„Wir brauchen Ressourcen für alle“

Gerne anschauen und verbreiten! Alles zur Kampagne, die im Oktober 2018 begann, gibt es auf 100pro-beratung.de. Die Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Videos gibt es auch hier.

Save the Date: BKSF-Fachtag und Vollversammlung im Januar 2020

Am Donnerstag den 30.01.2020 von 12:00-18:30 Uhr, wird die BKSF wieder einen Fachtag veranstalten, in dessen Mittelpunkt das Thema Onlineberatung/Digitalisierung stehen wird. Direkt danach, am Freitag den 31.01.2020 findet ab 9 Uhr die Dritte Vollversammlung der Fachberatungsstellen statt, mit viel Platz für Vernetzung und fachlichen Austausch. Eingeladen sind alle spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend, Beratungsstellen mit einem spezialisierten Fachberatungsangebot zum Thema und Präventionsfachstellen. U.a. werden wir auch zu unseren aktuellen Gesprächen mit der Deutschen Bischofskonferenz berichten und weitere Schritte zur Debatte stellen. Wir freuen uns, wenn Sie sich schon jetzt die Termine vormerken.

Für beide Tage wird das genaue Programm noch ausgearbeitet. Dieses wird dann alsbald über unseren Verteiler und unsere Webseite veröffentlicht.

BKSF-Kurzdoku "Das Problem ist noch lange nicht gelöst" ist da

Im Rahmen unserer Kampagne haben wir die Kurzdokumentation "Das Problem ist noch lange nicht gelöst!" produziert und im Juli an alle Fachberatungsstellen geschickt sowie der Öffentlichkeit vorgestellt. Es gibt sie hier zum Streamen und hier zum Download (Untertitel bitte separat herunterladen). Die DVD kann auch bei uns in der Geschäftsstelle kostenfrei angefordert werden.

Jede*r Achte erlebt in Deutschland als Kind oder Jugendliche*r sexualisierte Gewalt. Fachberatungsstellen, von denen es bundesweit nur etwa 350 gibt, sind wichtige Anlaufstellen für Betroffene, Bezugspersonen und Fachkräfte. Doch sie sind chronisch unterfinanziert und arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Der Film lässt verschiedene Expert*innen zu Wort kommen, um zu erklären, was die Fachberatungsstellen leisten und was sie brauchen. Die Kurzdoku kann z.B. bei Veranstaltungen vor Ort als Gesprächseinstieg genutzt werden.

Herzlichen Dank an Prof. Dr. Barbara Kavemann, Claude Roggenkamp (LKA), Shirin Hoffman (Kinderladen Jenaplan), Irina Stolz (Wildwasser Berlin e.V.) und Jörg Schuh (Tauwetter e.V.), die hier mitgewirkt haben!

Neue Broschüre zum Film erläutert Notwendigkeit von Fachberatung

Als Begleitmaterial zur Kurzdokumentation haben wir eine Broschüre erstellt, in der die Rolle und Bedeutung von spezialisierten Fachberatungsstellen beleuchtet und mit Zahlen und Fakten belegt wird. Damit bietet sie einen ersten Überblick und Einstieg ins Thema und kann als Türöffner dienen. Ebenso wie der Film ging die Broschüre den Fachberatungsstellen per Paketpost zu. Hier gibt es sie in der digitalen Version, Druckexemplare können gerne bei uns in der Geschäftsstelle angefragt werden.

BKSF führt Sondierungsgespräche mit der DBK

Im März 2019 kamen Vertreter*innen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf uns zu, im Juni fand das erste persönliche Gespräch statt. Es geht um die Schaffung von unabhängigen Beratungsangeboten für Menschen, die als Kinder oder Jugendliche sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche erfahren mussten. Darauf hatte sich die DBK im Rahmen eines Maßnahmenkatalogs zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt an Minderjährigen in der Kirche auf ihrer Herbstvollversammlung 2018 verständigt. In einem ersten Sondierungsgespräch haben wir dargelegt, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, um niederschwellige, unabhängige und qualitativ hochwertige Beratung zu gewährleisten und über Kooperationen vor Ort nachzudenken. Unter anderem haben wir deutlich gemacht, dass die Finanzierung über eine nichtkirchliche Mittelstelle erfolgen muss, um wirkliche Unabhängigkeit zu gewährleisten.

Im Sommer und Herbst sind weitere Gespräche geplant, in denen konkrete Eckpunkte diskutiert und festgehalten werden sollen. Unser Fachstellenrat wird diesen Prozess fachlich eng begleiten.

Ausbau ländlicher Fachberatung: bis 31.8. bewerben für zweite Förderphase

Das Bundesmodellprojekt ,Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt' bereitet die nächste Projektphase vor. In fünf weiteren ländlichen Gebieten sollen spezialisierte Fachberatungsangebote gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend auf- und ausgebaut werden. Dafür werden zwei Beratungsfachkräfte in Teilzeit und ein Verwaltungsstellenanteil bis Ende des Jahres 2021 finanziert. Bis zum 31. August 2019 können sich Fachberatungsstellen auf diese Förderung bewerben. Weitere Informationen und die Ausschreibung gibt es hier. Für Rückfragen stehen die Kolleg*innen im Koordinationsbüro von ,Wir vor Ort', Claudia Igney und Malte Jansen, zur Verfügung.

Radiobeitrag "Missbrauch - wenn Hilfe (zu) weit weg ist"

Warum hängt Hilfe bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder in vielen Fällen vom Zufall ab? Welche Folgen hat es, wenn Betroffene keine fachkundige Unterstützung finden? Wie lässt sich die Lage verbessern?

In einem aus unserer Sicht sehr gelungenen WDR-Radiobeitrag vom 17.07.2019 geht es um die Versorgungslage für Menschen mit Erfahrungen von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend in Deutschland. Lange Wege, viele Lücken und fehlende Angebote bauen große Hürden auf. Betroffene, aber auch Angehörige und Fachkräfte finden nicht den Weg in die Beratungsstelle; in den Fachberatungsstellen wiederum ist die Nachfrage eigentlich nicht mehr zu decken. Kolleg*innen aus der BKSF-Geschäftsstelle und dem Modellprojekt 'Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt' haben der Journalistin Beate Hinrichs Interviews für diesen Beitrag geben.

 

Was passiert in Politik und Gesellschaft?
Versuchsstrafbarkeit beim Cybergrooming beschlossen

Am 26.06.2019 hat das Bundeskabinett eine Änderung des Strafgesetzbuchs beschlossen, die schon den Versuch des Cybergroomings strafbar macht. Das heißt, dass die Anbahnung sexueller Kontakte mit Kindern über das Internet auch dann strafbar ist, wenn am anderen Ende ein erwachsener Mensch sitzt - z.B. verdeckte Ermittler*innen oder Eltern. Mit dem Gesetzentwurf wird die Richtlinie 2011/93/EU vom 31.12.2011 des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats umgesetzt.

Wir wurden im Vorfeld aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen und haben uns für diese Gesetzesänderung ausgesprochen. Die Stellungnahme gibt es hier zum Nachlesen.

Aktuelle Hellfeld-Zahlen aus der PKS 2018

Im Juni 2019 wurden die Zahlen der Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zu kindlichen Gewaltopfern im Jahr 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es gab insgesamt 12.321 Ermittlungs- und Strafverfahren bei sexuellem Kindesmissbrauch nach den §§176, 176a und 176b. Hinzu kamen 638 angezeigte Fälle von sexuellem Missbrauch gegen Schutzbefohlene sowie Fälle von sexuellem Missbrauch an Jugendlichen nach §182. Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen zur Herstellung, zum Besitz und zur Verbreitung von Missbrauchsabbildungen, sogenannten kinderpornografischen Materials, sind von 6.512 auf 7.449 Fälle und damit um knapp 15 Prozent gestiegen. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs spricht von 14.606 betroffenen Kindern, von denen die Polizei Kenntnis erlangt hat, und damit durchschnittlich ca. 40 Fällen pro Tag.

Die Zahlen der Polizeiliche Kriminalstatistik werden jährlich veröffentlicht. Sie geben nur Auskunft über Fälle, die bei der Polizei angezeigt wurden und damit nicht über das Dunkelfeld. Dieses wird von allen Expert*innen als deutlich höher eingeschätzt.

Sexualisierte Gewalt im Sport

Die ARD-Reportage "Das große Tabu - Sexueller Missbrauch im Sport" hat eine Debatte weiter vorangebracht, die bislang zu verhalten geführt worden ist. Dabei geht eine Studie der Uniklinik Ulm von mindestens 200.000 Betroffenen in diesem Tatkontext aus aus, fast doppelt so viele wie in der katholischen Kirche.

Trotz dieser Zahlen bleibt der Aufschrei in der Gesellschaft bisher aus. Teils starre Hierachien ebenso wie Anforderungen, leistungsfähig zu sein und keine Schwäche zu zeigen, tragen dazu bei, dass es Betroffenen schwer fällt, sich zu öffnen. Gerade jetzt aber haben Betroffene die Möglichkeit, in geschütztem Rahmen von ihren Erfahrungen zu berichten. Die Aufarbeitungskommission hat kürzlich den Tatkontext Sport zum Schwerpunkt erklärt und wird -wie immer vertraulich- Anhörungen durchführen.

Außerdem arbeitet der deutsch-französische Sender arte schon lange an einer Dokumentation zum Thema. Dazu suchen die Verantwortlichen vor allem noch Eltern von Betroffenen, die ihre Geschichten teilen wollen. Es kann sich dabei auch um Erlebnisse handeln, die schon lange her sind. Interessierte können sich an Anna Schwarz unter mail@annaschwarz.fr wenden.

Neuer Entwurf zum Sozialen Entschädigungsrecht

Am 26.06.2019 hat das Bundeskabinett einen Entwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Neuregelung des sozialen Entschädigungsrechts beschlossen. Dieser Entwurf entspricht in weiten Teilen dem Referentenentwurf vom 20.11.2018 aber an einigen Stellen gibt es erhebliche Unterschiede. In den folgenden Monaten werden sich Bundesrat und Bundestag mit dem Gesetzesentwurf beschäftigen. Wir setzen uns insbesondere für Verbesserungen für die von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend Betroffenen ein. Schwerpunkte sind für uns weiterhin u.a. die bestärkte Wahrscheinlichkeit, der Opferbegriff sowie die Aufnahme von Fachberatung als Schnelle Hilfe.

DJI sucht Interviewpartner*innen für Studie zu Peer Disclosure bei Jugendlichen

Das Deutsche Jugendinstitut in München führt eine Studie über das Anvertrauen und Sprechen über sexualisierte Gewalt durch. Gesucht werden interessierte Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren, die entweder selbst betroffen sind oder denen sexualisierte Gewalterfahrungen anvertraut wurden. Die Gespräche werden von geschultem Personal durchgeführt, sie bleiben anonym und können telefonisch oder persönlich vor Ort stattfinden. Alle Teilnehmenden dürfen selbst entscheiden, was sie erzählen möchten. Genauere Informationen und Postkarten/Flyer können beim DJI erfragt und bestellt werden, die Kolleginnen dort stehen gerne für Fragen zur Verfügung.

Außerdem
Neuer Film "Gelobt sei Gott" von François Ozon

Die Geschäftsstelle der BKSF wurde zur Deutschlandpremiere des Films „Gelobt sei Gott“ ins Cinema Paris eingeladen. In dem Film verarbeitet der bekannte französische Regisseur François Ozon den Skandal um die Ausübung und Verschleierung von sexualisierter Gewalt in der Erzdiözese Lyon und bietet damit  eine „Bestandsaufnahme der Versäumnisse in der Katholischen Kirche“.

Wir fanden den Film, der die Perspektive und das Zusammenwirken der Betroffenen und ihrer Angehörigen thematisiert, wirklich beeindruckend. Offiziell kommt der Film erst am 26.09.2019 in die Kinos; es gibt aber an verschiedenen Orten Previews. Geplant ist auch, den Film in allen Diözesen in Zusammenarbeit mit Präventionsbeauftragten vorab zu zeigen. Feste Termine gibt es bereits für die Bistümer Mainz und Berlin, Bamberg und Würzburg sind in der Vorbereitung. So wird die erste Preview in Berlin am 28. August 2019 um 19.00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain stattfinden. Informationen und Termine gibt es hier zu finden. Die Produktionsfirma ließ uns wissen, dass Fachberatungsstellen sich gerne melden können, um zu den Vorführungen eingeladen zu werden.

BKSF - Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend Uhlandstraße 165/166,
10719 Berlin
Telefon: 030/88 91 68 66,
Fax: 030/88 91 68 65

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www.bundeskoordinierung.de

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