Newsletter von Bundeskoordinierung spezialisierter Fachberatungsstellen

Liebe Kolleg*innen, liebe Interessierte,

nach fast drei Monaten in Heimarbeit machen wir, das Team der BKSF-Geschäftsstelle, uns langsam zurück auf den Weg in einen anderen Büroalltag unter den neuen Infektionsschutzregeln. Lange Zeit haben wir uns, unsere Kooperationspartner*innen und unseren Fachstellenrat maximal per Videokonferenz gesehen und den persönlichen Kontakt immer mal wieder sehr vermisst. Gleichzeitig sind wir sehr froh, dass wir die Möglichkeit hatten und haben, unsere Arbeit von Zuhause aus fortzusetzen und auch in Zukunft weiterführen zu können. In den ersten Monaten der Corona-Krise haben wir vielfältige Maßnahmen angestoßen, um unsere Fachberater*innen zu informieren und zu unterstützen, wichtige Forderungen in die Politik zu tragen, öffentlich auf Unterstützungsangebote hinzuweisen und interne Arbeitsprozesse weiter voran zu bringen. Darüber wollen wir in diesem Newsletter berichten.

Parallel zu dieser langsamen Rückkehr finden zurzeit weltweit Proteste gegen institutionellen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen statt. Sie erinnern uns auch daran, dass viele Betroffene von sexualisierter Gewalt weitere - interpersonelle und strukturelle - Gewalt erleben. Und auch der Zugang zum Unterstützungssystem wird durch diese Erfahrungen und unabgebaute Hürden deutlich erschwert.  Wir wissen: Betroffene brauchen Berater*innen, die strukturelle Gewalt sehen, Gewalterfahrungen  anerkennen, sich parteilich und selbstreflektiert positionieren und unterstützen können - und das auch bei institutionellem Rassismus in seinen vielen Formen. Eine stärkere Öffnung der Beratungsstellen, Fachverbände und Koordinierungsstellen für Mitarbeiter*innen of Color und die Bereitschaft, Schwarze Sichtweisen zu stärken und dominierende Perspektiven zu hinterfragen, sind wichtige Schritte, die wir gemeinsam mit Ihnen hoffentlich gehen werden.

Wir hoffen, Sie kommen weiterhin gut durch diese Zeit oder haben gute Unterstützung auf Ihrem Weg!

Herzliche Grüße

das Team der BKSF-Geschäftsstelle

Neues aus der BKSF
Freitags-Corona-Mailings zum Nachlesen

In der ersten Zeit haben wir in wöchentlichen Rund-Emails Informationen, Tipps rund um Selbstfürsorge und interessante Hinweise für Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt verschickt. Die wichtigsten Beiträge aus den Mailings gibt es auf unserer Webseite zum Nachlesen und Stöbern, neue Inhalte werden regelmäßig eingepflegt. Außerdem haben wir wichtige Informationen zu sogenannten "Schutzschirmen" und finanziellen Hilfen für Fachberatungsstellen im Bund und den einzelnen Bundesländern zusammengefasst. Diese finden sich hier.

Nächste Fachstellenvollversammlung am 29.01.2021

Die nächste Fachstellenvollversammlung wird am Freitag, den 29.01.21 stattfinden. Eingeladen sind Mitarbeiter*innen aus spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend, Einrichtungen mit einem entsprechenden spezialisierten Beratungsangebot sowie aus Präventionsfachstellen. Aktuell werten wir die vergangenen Vollversammlungen aus um neue Ideen und Konzepte für die nächste Versammlung zu entwickeln. Auch unser Fachstellenrat soll neu gewählt werden. Wir freuen uns schon jetzt sehr auf Sie und Euch!

Elternzeitvertretung für Öffentlichkeitsarbeit gesucht

Wir sind auf der Suche nach eine*r Referent*in für die BKSF-Geschäftsstelle mit Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit ab dem 01.08.2020. Es geht um eine Elternzeitvertretung für voraussichtlich ein halbes Jahr. Die Stellenausschreibung gibt es hier.

Gewaltschutz ist Gemeinschaftssache! Gemeinsame Pressemitteilung von BKSF, bff, ZIF und FHK

Zusammen mit dem bff: Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, der Zentralen Informationsstelle der Autonomen Frauenhäuser und der Frauenhauskoordinierung haben wir zum Beginn der Covid19-Pandemie eine Pressemitteilung verfasst und bundesweit versandt. Mit der Presseerklärung wollten wir vor allem darauf hinweisen, dass das Hilfenetz auch weiterhin für gewaltbetroffene Frauen und Kinder da ist, wichtige Adressen verbreiten und auf die große Bedeutung von solidarischer Nachbarschaft hinweisen:

"Gewalt ist keine Privatsache. Wichtig ist, nicht wegzuschauen, sondern Zivilcourage zu zeigen, Betroffenen Hilfe anzubieten und sich selbst über Hilfsangebote zu informieren. Alle, die sich Sorgen um betroffene Frauen oder Kinder im eigenen Umfeld machen, können telefonisch oder online Kontakt halten. Menschen, die Zeug*innen von Gewalteskalationen werden, sollten die Polizei rufen, die den Täter für einige Tage der Wohnung verweisen kann. Wer in Sorge um ein Kind ist, kann sich telefonisch Unterstützung holen, um angemessen zu handeln. "

Neue AG Prävention in Planung

Durch die Pandemie wird die Umsetzung von präventiven Angeboten durch Präventionsstellen und Fachberatungsstellen um ein Vielfaches erschwert oder gar völlig stillgelegt - mit weitreichenden Konsequenzen. Zum einen können Kinder und Jugendliche nicht mehr auf den üblichen Wegen erreicht und auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden. Zum anderen brechen für die Einrichtungen wichtige Einnahmequellen weg. Dies kann mitunter Auswirkungen auf die gesamte Finanzierung der Stelle haben, da über die Einnahmen aus Präventionsprojekten, Fort- und Weiterbildungen der notwendige Eigenanteil erwirtschaftet wird, der wiederum für die Bezuschussung durch andere Geldgeber*innen gebraucht wird.

Um die aktuelle Situation besser zu verstehen und passende Strategien zu entwickeln, haben wir diverse Gespräche mit Präventionsfachkräften geführt. Eine erste Sofort-Maßnahme war z.B. das Erstellen eines Musteranschreibens, das sich an Geldgeber*innen wendet und auf das entstandene Defizit aufmerksam macht. Dieses Musteranschreiben kann bei uns mit einer Email an info@bundeskoordinierung.de angefordert werden. Unser Engagement für den Arbeitsbereich soll mit der Einrichtung einer AG Prävention bald eine feste Struktur finden. Dafür wird aktuell ein Konzept entwickelt.

BKSF bundesweit
Pflegekinder nicht alleine lassen

Das Projekt FosterCare vom Universitätsklinikum Ulm möchte die Perspektiven und Erfahrungen von Pflegekindern erfassen und einbringen und ihre Rechte zu stärken.  Gemeinsam mit verschiedenen Vertreter*innen aus Fachverbänden und -organisationen sowie der Wissenschaft und Careleaver*innen wurden Qualitätsstandards für Schutzkonzepte in der Pflegekinderhilfe entwickelt. Auch wir haben daran mitgewirkt. In der Zeitschrift ‚Das Jugendamt‘ erschien unlängst der Beitrag mit den erarbeiteten Standards.

Auf der Webseite des Projekts sowie über die eigens entwickelte App gibt es Informationen zum Pflegekinderwesen und zu den Rechten von Kindern und Jugendlichen. Junge Menschen, die in Pflegefamilien leben, sind herzlich eingeladen, ihre Perspektive einzubringen und einen Fragebogen auszufüllen.

Fachberatung im ländlichen Raum - Arbeitskreis vertieft wichtigen BKSF-Schwerpunkt

Seit dem Beginn unserer Arbeit ist die Versorgung von Betroffenen durch spezialisierte Fachberatung im ländlichen Raum für uns ein sehr wichtiger Schwerpunkt. Nun haben wir eine seit langem bestehende kleine Arbeitsgruppe zum Thema neu aufgestellt um das Thema inhaltlich und strukturell noch besser bearbeiten und bundesweit wirken zu können. Neben unserer Greifswalder Fachstellenrätin Silke Schnabel und der Expertise unserer Bürokolleg*innen von Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt werden weitere Kolleg*innen aus Fachberatungsstellen im ländlichen Raum zu uns stoßen. Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Kolleg*innen, die ihr Interesse an einer Mitarbeit im Arbeitskreis kundgetan haben.
 


 

Was passiert in Politik und Gesellschaft?
#LeaveNoOneBehind: DGfPI-Appelle zur Lage in Moria

Wie auch wir ist unser Träger, die DGfPI entsetzt darüber, dass von Deutschland lediglich 47 unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus den griechischen Flüchtlingslagern aufgenommen wurden. Noch dazu handelte es sich bei mindestens 18 Kindern einfach nur um eine Umsetzung der Dublin II-Verordnung. Weiterhin herrschen unmenschliche Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern, an denen Kinder und Jugendliche besonders zu leiden haben. Die DGfPI hat nicht nur bereits im Februar in einem offenen Brief  sowie in einem Schreiben an die Bundesregierung vom 05. Mai 2020 die politischen Entscheidungsträger*innen zu mehr Einsatz für die Menschen in den Flüchtlingslagern der Ägäis aufgefordert. Sie hat auch einen "Appell an unsere Mitglieder" zur Unterstützung und Zusammenarbeit sowohl auf politischer als auch gesellschaftlicher Ebene veröffentlicht – für eine schnellstmögliche Evakuierung der schutzlosen Kinder und Jugendlichen. 

Besserer Jugendschutz? BKSF nimmt Stellung

Ende Februar haben wir zum Entwurf des 2. Gesetzes zur Änderung des Jugendschutzgesetzes (2. JuSchG-ÄndG) Stellung genommen. Dabei haben wir die Novellierung des Jugendschutzgesetzes und insbesondere die stärkere Anpassung des Jugendmedienschutzes an das digitale Zeitalter begrüßt. Insbesondere finden wir sehr positiv, dass in Bezug auf Interaktionsrisiken im digitalen Raum für Kinder und Jugendliche Vorkehrungen getroffen werden sollen. Allerdings fordern wir eine konsequente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an verschiedenen Stellen dieses Prozesses. Bei der Einschätzung eines Straftatbestandes halten wir es für wichtig, auf bewährte und fachlich fundierte Verfahren zurückzugreifen. Auch können wir nicht nachvollziehen, warum Diensteanbieter*innen erst ab einer Million Nutzer*innen verpflichtet werden, besondere Vorsorgemaßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu treffen.

Ein Interview mit dem Meinungsbarometer zu unseren Positionen gibt es hier zum Nachlesen.

#Unteilbar durch die Krise am 14.06.20 in elf Städten

Gerne wollen wir auf eine aus unserer Sicht wichtige Veranstaltung hinweisen: am Sonntag, den 14.06.20, findet in elf deutschen Städten und im Netz die dritte Runde der "Unteilbar"-Demonstration statt. Unter dem Motto-Hashtag #SoGehtSolidarisch geht es mit 3 Meter Abstand für eine solidarische Gesellschaft in der Krise auf die Straße:

"Jetzt wird entschieden, wer die Kosten der globalen Krise trägt, wer danach stärker wird und wer schwächer. Jetzt wird entschieden, ob wir es schaffen, uns gemeinsam auf den Weg in eine antirassistische, soziale und klimagerechte Gesellschaft zu machen – für ein besseres Leben für alle. Auch in der Krise zeigen wir, dass es solidarisch geht – wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen."

Hier gibt es alle Infos zum Demonstrationskonzept auf der Straße, im Netz oder am Fenster, den Aufruf, den Link zum Live-Stream und vieles mehr.

Neues vom UBSKM, der Aufarbeitungskommission und vom Betroffenenrat

Hilfsportal Kein Kind Alleine lassen soll Kinder in Isolation erreichen

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) der Bundesregierung und sein Team haben Anfang April die Website www.kein-kind-alleine-lassen.de gestartet. Dort werden die wesentlichen Angebote und Kontaktadressen gebündelt und übersichtlich präsentiert.

Hier finden Kinder und Jugendliche Kontakt zu Beratungsstellen und auch Erwachsene bekommen Informationen, was sie bei sexualisierter und anderer familiärer Gewalt in der Corona-Krise tun können. Es gibt einen Exit-Button, so dass die Seite schnell verlassen werden kann wenn z.B. ein*e Täter*in in den Raum kommt.

Die Seite hat einen Bereich für Erwachsene, auf der Interessierte nicht nur Materialien zum Teilen und Verbreiten finden, sondern auch Informationen zum richtigen Verhalten bei einem Verdacht auf Gewalt im Umfeld. Außerdem gibt es ein Verzeichnis wichtiger Anlaufstellen, die auch während der Corona-Krise erreichbar sind.

Der Bereich für Kinder und Jugendliche bietet Direktkontakt per Chat, Mail oder Telefon zu Hilfeangeboten. Kinder finden hier auch Tipps, was sie tun können, wenn sie von Gewalt bedroht sind. Ergänzt wird das Angebot mit den Kontaktdaten wichtiger Kinder- und Jugendberatungsstellen.

Betroffenenrat geht in die zweite Runde

Am 04. Juni 2020 wurde der zweite Betroffenenrat berufen und wir gratulieren ganz herzlich! Sieben neue Mitglieder stoßen in den Rat hinzu, elf Mitglieder der vorherigen Konstellation verbleiben im Gremium. Seit März 2015 setzen sich die Mitglieder des beim UBSKM angedockten Betroffenenrates für die Belange Betroffener sexualisierter Gewalt ein und geben dem Thema ein Gesicht und eine Stimme. Ein unabhängiges Auswahlgremium hatte aus über 200 Bewerbungen die sieben neuen Rät*innen ausgesucht. Ende des Monats stellt sich der neue Rat nach der ersten konstituierenden Sitzung vor. Bislang haben wir an vielen wichtigen Punkten mit dem Betroffenenrat kooperieren dürfen und freuen uns sehr auf eine weitere gute Zusammenarbeit und die Perspektiven der neuen Mitglieder.

Online-Befragung "Sexueller Kindesmissbrauch durch Frauen"

Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojekts „Sexueller Kindesmissbrauch durch Frauen“ unter der Leitung von Prof. Dr. Peer Briken, Mitglied der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, können Personen, denen in ihrer Kindheit und Jugend durch Frauen sexualisierte Gewalt widerfahren ist, an einer anonymen Online-Studie teilnehmen. Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie hier (Seite runterscrollen), den Link zur Befragung gibt es hier. Diese läuft bis zum Ende Juni 2020. Die Aufarbeitungskommission freut sich, wenn die Information geteilt und verbreitet wird.

Wie geht es Betroffenen in der Corona-Krise?

Wie erleben Menschen mit sexualisierten Gewalterfahrungen in der Kindheit die aktuelle Krisenlage? Dazu hat die Aufarbeitungskommission eine Onlineumfrage gestartet, die bis zum 05.07.2020 läuft. Die Kommission interessiert, wie es gelingen kann, mit den Einschränkungen fertig zu werden, auch wenn diese noch länger andauern werden. Außerdem möchte sie wissen, was Betroffenen in dieser Zeit besonders schwer gefallen ist und was verbessert werden müsste, damit sie trotz der Einschränkungen weniger belastet sind .

Aufarbeitungskommission bietet Anhörung per Videotelefonie an

Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen können sich bis auf Weiteres auch in der aktuellen Situation bei der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs für eine Anhörung anmelden. Die Anhörungen werden unter Auflagen persönlich oder als erweitertes Angebot per Videotelefonie unter Sicherung der Vertraulichkeit und des Datenschutzes durchgeführt. Hier finden Sie Informationen zu den technischen Voraussetzungen und zum Anmeldungsprozedere.

Außerdem
Neue Auflage von "Mutig fragen - besonnen handeln"

Endlich ist sie wieder verfügbar: die Druckversion der von vielen sehr geschätzte Broschüre "Mutig fragen- besonnen handeln" war wirklich lange vergriffen. Im Frühjahr diesen Jahres erschien eine neue Auflage, sie kann hier bestellt und heruntergeladen werden. Es ist auch möglich, sich das Dokument vorlesen zu lassen.

Die Broschüre bietet auf fachlich fundierte Art und Weise wichtige Informationen und Handlungsorientierungen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und richtet sich dabei insbesondere an Eltern. Aber auch für viele andere, die mit Kindern zu tun haben, bietet sie wichtiges Wissen und zeigt Wege auf, wie Kinder geschützt und unterstützt werden können.

BKSF - Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend Uhlandstraße 165/166,
10719 Berlin
Telefon: 030/88 91 68 66,
Fax: 030/88 91 68 65

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