Newsletter von Bundeskoordinierung spezialisierter Fachberatungsstellen

Liebe Kolleg*innen, liebe Interessierte,

Wir beenden dieses Jahr, so wie wir es begonnen haben, und doch ist alles ganz anders. Denn zum einen befinden wir uns immer noch und wieder im Home Office und planen Videokonferenzen statt Dienstreisen. Zum anderen tritt eine bislang noch nicht gekannte politische Koalition die Regierung an und unser Ressort bekommt eine neue Ministerin. Es ist die Rede von Aufbruch und Erneuerung und natürlich hoffen wir, dass damit auch der gemeinsame Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft und gegen sexualisierte Gewalt gemeint ist.

Mit Ungewissheit und Spannung beenden wir dieses Jahr und beginnen das neue (und hoffentlich letzte) Corona-Jahr. Vielen Dank an alle, die 2021 gemeinsam mit uns gestaltet und unsere Arbeit ermöglicht, unterstützt und bereichert haben. Nach einem dynamischen Jahr freuen wir uns nun auf eine kleine Pause und wünschen Ihnen und Euch allen Raum zum Durchatmen, Entspannen und neue-Kräfte-sammeln. Wir schließen unsere Geschäftsstelle über die Feiertage und sind ab dem 03.01.22 wieder erreichbar.

Herzliche Grüße

Ihr BKSF-Team

Neues aus der BKSF
Nächste BKSF-Vollversammlung am 28.01.22: Anmeldung freigeschaltet

Wie bereits im vergangenen Jahr findet die jährliche Fachstellenvollversammlung nächsten Monat wieder digital statt. Dabei wird es insbesondere auch um die Verabschiedung gemeinsamer Qualitätsstandards gehen, es gibt aber auch viel Raum für Austausch und mitgebrachte Themen. Weitere Infos zum Programm, zur Anmeldung und zum Teilnehmer*innenkreis gibt es hier. Bis zum 14. Januar 2022 ist die Anmeldung freigeschaltet, Teilnehmer*innen können bis zum 12.01.22 ihre Themenvorschläge für die geplanten Austauschräume einbringen. Wir freuen uns auf diesen gemeinsamen Tag und hoffen auf rege Teilnahme aus den Beratungsstellen und Präventionsinstituten gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend.

Fünf Jahre BKSF

Wir sind fünf geworden! Im November 2016 haben wir als BKSF-Geschäftsstelle unsere Arbeit aufgenommen, Büroräume gesucht, die ersten Kugelschreiber gekauft, viele Kontakte geknüpft und begonnen, aus all den Ideen und Aufträgen eine eigene Form für uns zu schmieden. Und eines ist definitiv wahr: diesem Anfang wohnte auf jeden Fall ein Zauber inne, in dem wir im November auf unserem Instagram-Account noch einmal ausdrücklich geschwelgt haben. Gerne erinnern wir uns noch an unsere ersten Vollversammlungen, an hitzige Diskussionen im Fachstellenrat und unzählige Reise durch das ganze Land, um uns vorzustellen. Mittlerweile haben wir uns einen guten Platz erarbeitet, um wirkungsvoll für spezialisierte Fachberatung gegen sexualisierte Gewal in Kindheit und Jugend einzutreten. Nicht zuletzt durch den Einsatz vieler Fachpraktiker*innen vor Ort und die Unterstützung unserer Netzwerkpartner*innen konnten wir einiges erreichen. Dafür an dieser Stelle: ein großes Dankeschön!

Stellungnahme zum Entwurf eines Kinderschutzgesetzes in NRW

In Nordrhein-Westfalen wurde der Entwurf eines Kinderschutzgesetzes, das im Mai 2022 in Kraft treten soll, vorgestellt. Laut Landesfamilienminister Stamp sei der Entwurf als Einstieg in einen umfassenden, landesrechtlich verankerten Kinderschutz zu verstehen. Das Gesetz ist eine der Reaktionen der Landesregierung auf die großen organisierten Tatkomplexe Lügde, Münster und Bergisch Gladbach, die in den vergangene Jahren medial, justiziell und gesellschaftlich intensiv verhandelt wurden. 

Durch das Gesetz sollen die fachlichen Standards bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung, die kooperative Zusammenarbeit bzw. Netzwerkstrukturen sowie der Umgang mit Kinderschutzkonzepten verbessert werden. Gemeinsam mit unserem Trägerverein, der DGfPI e.V. haben wir dazu Stellung genommen. Insbesondere schlagen wir Verbesserungen beim Umgang mit sexualisierter Gewalt und bei der Beteiligung von spezialisierten Fachberatungsstellen vor. Ganz grundsätzlich begrüßen wir die Gesetzesinitiative jedoch sehr. Im Vorfeld hatten wir bei der Kinderschutzkommission des nordrhein-westfälischen Landtages wiederholt Stellung genommen: zu finden sind die Stellungnahmen hier und hier.

 

Sexualisierte Gewalt im Sport: Jahresrückblick der BKSF-AG Sport

Seit einem Jahr ist das Thema Sport in der BKSF-Arbeit nicht mehr zu übersehen. Über Jahre hinweg wird immer wieder über sogenannte Skandale in unterschiedlichen Sportbereichen medial berichtet. Auch wir in der BKSF haben das verfolgt. Mit Sarah Scheurich als BKSF-Botschafterin in der Kampagne 100% für Beratung haben wir schon lange einen Bezug zum Sport. Scheurich setzt sich seit Jahren und gegen erhebliche Widerstände gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt im Boxsport ein.

Im Frühjahr 2021 haben wir eine interne AG Sport gegründet um dem Thema einen festen Platz in unserer Arbeit zu geben. Diese AG soll verschiedene Informationen und Perspektiven zusammentragen, Netzwerke knüpfen und erkunden, welche Maßnahmen kurz- und langfristig sowohl im Leistungs- wie im Breitensport Sinn machen. Dies ist bislang auch an verschiedenen Punkten gelungen: zum einen beteiligten wir uns an einer Sitzung der Aufarbeitungskommission, die im Oktober 2020 zu dem Themenbereich ein Öffentliches Hearing veranstaltet hatte. Zum anderen trug Katrin Schwedes bei der Expert*innenanhörung im Bundestag die Perspektive der spezialisierten Fachberatungsstellen vor. Fortlaufend gibt es diverse Gespräche mit Akteur*innen aus dem Themenfeld: auf Verbandsebene, politischer Ebene, aber auch direkt mit Sportler*innen wie z.B. den Athleten Deutschland. Parallel dazu haben wir bundesweit die Fachberatungsstellen zu ihrer Arbeit mit Betroffenen im Sportkontext befragt um eine Bestandsaufnahme zu schaffen. Im aktuellen Koalitionsvertrag ist das Thema ausdrücklich benannt, gerade läuft eine Machbarkeitsstudie für ein Safe Sport Zentrum. Die Einrichtung eines solchen Zentrum unterstützen wir aktiv.

Im Jahr 2022 wollen wir uns intensiver damit befassen, wie die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt im Breitensport flächendeckend vorankommen kann. Dazu wollen wir konkrete Forderungen entwickeln und für diese öffentlich eintreten und uns mit Gleichgesinnten vernetzen.

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Stellungnahme zu Traumaambulanzen-Verordnung

Im Rahmen der Novellierung des OEG zum neuen Sozialen Entschädigungsrecht war der Ausbau von Traumaambulanzen zur Versorgung von Betroffenen ein wichtiger Aspekt. Nun liegt dazu ein Verordnungsentwurf vor, zu dem wir eine Stellungnahme verfasst haben. Bereits im Dezember 2017 haben wir uns in einer Fachinformation intensiv mit Traumaambulanzen und ihren Vor- und Nachteilen für verschiedene Personen auseinandergesetzt. Wir begrüßen den Ausbau dieser Angebote, sie können für uns aber nur ein Eckpfeiler im Hilfesystem sein und ersetzen nicht die spezialisierte Expertise von Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend.

Was passiert in Politik und Gesellschaft?
Praxisleitfaden zur Anwendung kindgerechter Kriterien für das Strafverfahren

Am 11. November 2021 wurde der neue Praxisleitfaden zur Anwendung kindgerechter Kriterien für das Strafverfahren erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser wurde im Rahmen der Arbeit des Nationalen Rats gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen entwickelt und ist das Ergebnis verschiedener Anhörungen und Fachgespräche mit diversen Vertreter*innen der Justiz und anderen beteiligten Professionen sowie Betroffenen. In dem Leitfaden werden kinderrechtsbasierte Standards für den Umgang mit minderjährigen Zeug*innen empfohlen. Grundlage ist dabei u.a. die UN-Kinderrechtskonvention. Der Leitfaden ist eine praktische Handlungshilfe für das Ermittlungs- und Hauptverfahren und wird hoffentlich bei Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten Verbreitung finden.

Außerdem
"Schwesterprojekt" Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt geht zu Ende

Bei Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt (WvO) stand spezialisierte Fachberatung in ländlichen Regionen im Mittelpunkt. Acht Fachberatungsstellen bundesweit konnten für drei bzw. zwei Jahre bis Ende 2021 mit erweiterten Ressourcen Neues ausprobieren, ihre Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit intensivieren und in ihrer ländlichen Region für das Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend sensibilisieren.

Dabei waren sowohl die Regionen als auch die Vorhaben sehr unterschiedlich. Aus der gemeinsamen Arbeit und dem Austausch gehen die Fachberatungsstellen gestärkt und mit wichtigen neuen Impulsen hervor. Die Ergebnisse der projektbegleitenden Evaluation sind spannend und geben viele Anregungen zu Gelingensfaktoren, Hindernissen und Strategien für die Arbeit im ländlichen Raum. Diese Vielfalt des Projektes fließt derzeit noch in einen Abschlussbericht ein, der Anfang 2022 als Broschüre veröffentlicht wird. Über den interdisziplinären Fachbeirat und die gemeinsam mit uns getragene AG Versorgung im ländlichen Raum konnten zudem bundesweit Vernetzung und Aufmerksamkeit geschaffen werden. Die Ergebnisse werden nun gezielt in fachliche und politische Diskurse eingebracht, mit dem Ziel, die Versorgung im ländlichen Raum dauerhaft zu verbessern. Für einige der neuen Angebote wurde eine Verstetigung erreicht - angesichts der kurzen Zeit und den Einschränkungen durch die Pandemie ist das ein großer Erfolg.

Auch das in WvO entstandene Onlineberatungsportal wird unter dem Dach der DGfPI fortgeführt. Im Herbst 2021 hat sich das Portal für weitere Fachberatungsstellen im ganzen Land geöffnet. Für die Weiterentwicklung zu einem "Onlineberatungsnetz Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt" kann die Koordinierungsstelle WvO bis Mitte 2022 weiterarbeiten. Die Aufnahme weiterer Fachberatungsstellen, Vernetzung und Qualitätsentwicklung sind geplant. Alle Fachberatungsstellen in Stadt und Land sind herzlich zum Mitmachen eingeladen!

EU-Projekt ByeDV startet in die nächste Projektphase

Das Projekt ByeDV ist gemeinsam mit fünf Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend in die nächste Phase gestartet. Dabei steht ByeDV für Beyond Digital Violence: Capacity Building for Relevant Professionals Working with Children and Young People Who Experienced Sexualised Violence Using Digital Media und ist das Nachfolgeprojekt von HUMAN. Ziel des Projektes ist es, Fachberatung zum Thema sexualisierte Gewalt, die mit digitalem Medieneinsatz ausgeübt wird, zu stärken, einen intensiven Fachaustausch zu unterstützen, Qualitätsentwicklung anzuregen, Verantwortungen (in Politik, Wirtschaft) aufzuzeigen und somit -  als übergeordnetes Ziel - Kindern und Jugendlichen mehr Informationen, gute Beratung und größeren Schutz zukommen lassen.

Gemeinsam mit fünf teilnehmenden Beratungsstellen erarbeitet das Projektteam von der SRH Heidelberg und der DGfPI e.V. Handlungsempfehlungen zum Umgang in der Fallarbeit, aber auch in der Team- und Netzwerkarbeit. Dazu gibt es regelmäßige Intervisionsworkshops und es sind auch diverse Termine geplant, um die Zwischenergebnisse in den Fachdiskurs einzubringen. Alle Infos zum Team, den Projektpartner*innen und aktuelle Ergebnisse gibt es auf der Projekthomepage.

 

BKSF - Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend Uhlandstraße 165/166,
10719 Berlin
Telefon: 030/88 91 68 66,
Fax: 030/88 91 68 65

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