Newsletter von Bundeskoordinierung spezialisierter Fachberatungsstellen

Liebe Kolleg*innen, liebe Interessierte,

Auch im kommenden Jahr werden wir uns wieder mit aller Kraft für die Anliegen von spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend einsetzen. Das aktuelle Jahr hingegen ist sozusagen: geschafft. Und auch wir können ein paar ruhige Tage gut vertragen. Es ist viel passiert und einiges hat sich bewegt. Unsere Kampagne '100% für Beratung' ging an den Start und ein neues Bundesmodellprojekt zur Ausweitung von Fachberatung im ländlichen Raum wurde aus der Wiege gehoben. Wir sind im Web 2.0 angekommen, sind gegen leidige Lügendetekoren vorgegangen und haben für eine gute OEG-Reform gestritten, viele Gespräche geführt und die Vernetzung von Fachberatungsstellen gestärkt. Ein gemeinsamer Grundkonsens dazu, was spezialisierte Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend ausmacht, wurde gefunden. Und am 25.01.2019 steht die nächste Vollversammlung vor der Tür, auf der ein neuer Fachstellenrat gewählt wird. Wir bedanken uns bei allen Partner*innen, Kolleg*innen, Unterstützer*innen und Interessierten für ein tolles und produktives Jahr und freuen uns auf 2019.

Herzliche Grüße

das Team der BKSF

Neues aus der BKSF
BKSF-Kampagne '100% für Beratung' hat Fahrt aufgenommen

Im Oktober ist unsere Kampagne „100% für Beratung“ offiziell mit dem Launch der neuen Webseite 100pro-beratung.de gestartet. Mit der Kampagne zeigen wir zusammen mit den Berater*innen die große gesellschaftliche Bedeutung ihrer Arbeit gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend. Gemeinsam fordern wir endlich mehr Geld, Sicherheit und Anerkennung für spezialisierte Fachberatung.

Im Zuge der Kampagne zeigen wir, auch auf Facebook, Twitter und Instagram, verschiedene Perspektiven auf die Arbeit: von Betroffenen, von Kooperationspartner*innen und von den Berater*innen selbst. Parallel haben wir den mit uns kooperierenden Fachberatungsstellen Aktionspakete geschickt, mit denen sie die Kampagne mit Postern, Aufklebern und Aktionen vor Ort umsetzen können. Dafür ist auch im nächsten Jahr bis zum Frühjahr noch viel Zeit. Einige tolle Aktionen und viele wunderbare Bilder sind bereits entstanden.

Für alle, die Inspiration für eigene Aktionen suchen oder Fragen zur Kampagne haben, haben wir die bisherigen Aktionen dokumentiert und Häufig gestellte Fragen beantwortet.

Gestartet: Neues Bundesmodellprojekt weitet spezialisierte Fachberatung im ländlichen Raum aus

Im Frühjahr konnten Vertreterinnen der BKSF bei Lobbygesprächen mit der Bundespolitik die Aufmerksamkeit auf die sehr schlechte Versorgung mit spezialisierter Beratung im ländlichen Raum lenken. Von Parlamentsseite wurde daraufhin ein neues Modellprojekt in die Haushaltsverhandlungen eingebracht und verabschiedet. Die DGfPI e.V. hat sich als Projektträgerin auf das Modellprojekt "FLR - Spezialisierte Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend für Ländliche Regionen" beworben und konnte Ende Oktober die Arbeit am Modellprojekt aufnehmen. Die FLR Koordinierungsstelle wird in die Räume der BKSF mit einziehen und wir werden eng zusammenarbeiten, um Überschneidungen, Schnittstelle und vor allem gegenseitige Inspiration zwischen BKSF und FLR sicherzustellen. Mehr zum Modellprojekt finden Sie auf der Webseite der DGfPI und auf unserer Webseite.

Offensichtlich ist die Not im ländlichen Raum wirklich groß. Innerhalb kürzester Zeit haben ca. 40 Stellen ein ganz konkretes Interesse angemeldet, an dem Projekt teilzunehmen. Das übersteigt unsere Erwartungen, aber auch die Kapazitäten des Modellprojektes bei weitem.

Für den ersten Projektstart ab Januar 2019 haben sich Fachberatungsstellen bis Anfang Dezember beworben. Zurzeit läuft die Auswahl der Teilnehmenden durch einen Beirat und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Wir halten Sie über die Ergebnisse und den weiteren Projektverlauf  auf dem Laufenden.

Zweite Vollversammlung: Anmeldung noch bis zum 11.01.2019 möglich

Die Zweite Fachstellenvollversammlung findet am Freitag, den 25.01.2019 von 09:30-17:00 Uhr in Berlin statt. Alle interessierten Mitarbeiter*innen aus

  • spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend,
  • Fachberatungsstellen mit einem spezialisierten Beratungsangebot zum Thema und
  • Präventionsfachstellen, die auf das Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend spezialisiert sind,

sind herzlich eingeladen! Gemeinsam wollen wir die Kernarbeitsbereiche der BKSF diskutieren und Anregungen und Ziele für 2019 entwickeln. Außerdem wird der Fachstellenrat neu gewählt werden. Bis zum 11.01.2019 ist die Anmeldung möglich. Die Einladung und das Programm gibt es hier. Wir freuen uns auf eine möglichst breite Beteiligung und einen spannenden gemeinsamen Tag.

Die Kandidat*innen für den neuen Fachstellenrat stehen fest

Planmäßig steht auf der nächsten Vollversammlung am 25.01.2019 die Neuwahl des Fachstellenrats auf dem Programm. Neun engagierte Kolleg*innen aus spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend stellen sich zur Wahl. Da die Wahl auf der Vollversammlung erfolgt und jede Fachberatungsstelle eine Stimme hat, bekommen alle, die sich anmelden, die Informationen zum Verfahren und zu den Kandidat*innen zugeschickt. Baldige Anmeldungen verlängern entsprechend den Entscheidungszeitraum.

BKSF-Stellungnahme: Keine Anzeigepflicht an Schulen

In einigen Bundesländern gibt es Erlasse für Schulen, bei sexualisierter Gewalt an Schüler*innen stets eine Strafanzeige zu stellen - also auch dann, wenn dies nicht dem Willen der*des Betroffenen entspricht. Das halten wir nicht für sinnvoll. Deshalb haben wir uns in einer Stellungnahme exemplarisch mit der Situation in verschiedenen Bundesländern auseinandergesetzt und Empfehlungen für die Bundesebene und die entsprechenden Länder formuliert. Wir setzen uns gegen eine Anzeigepflicht für Schulen ein und empfehlen vielmehr, die betroffene Person in den Mittelpunkt der Verfahrensabläufe zu stellen.

Fachartikel zur Reformierung des Sexualstrafrechts veröffentlicht

Im letzten Jahr veröffentlichte die Reformkommission zum Sexualstrafrecht ihren Abschlussbericht. Unsere juristische Referentin Franziska Drohsel hat sich mit den Reformvorschlägen bei verschiedenen Veranstaltungen auseinandergesetzt und Stellung dazu genommen, welche Veränderungen wir mit Blick auf die Situation von in Kindheit und Jugend sexualisierter Gewalt Betroffener als sinnvoll erachten.  Nun hat sie diese Positionen in einem Doppelartikel in den juristischen Fachzeitschriften „Zeitschrift für Rechtspolitik“ und „Neue Juristische Online-Zeitschrift" veröffentlicht. Bei Interesse melden Sie sich gern bei uns in der Geschäftsstelle.

Was passiert in Politik und Gesellschaft?
Veränderungen beim EHS

Schon seit dem Sommer war von Veränderungen in der EHS-Geschäftsstelle im BMFSFJ die Rede. Im direkten Austausch mit dem entsprechenden Referat haben wir verschiedene Informationen bekommen, die wir an Interessierte weiterreichen wollen. Sie betreffen u.a. die Etablierung eines zweiten Bearbeitungsweges bei Anträgen ab dem 01.08.2018 und die Verteilung von Entscheidungskompetenzen zwischen Geschäfts- und Clearingstelle. Genaueres finden Sie hier.

Lügendetektor in Sachsen: Es bewegt sich was

Weiterhin setzen wir uns dafür ein, dass der Einsatz von Lügendetektoren in Sachsen ein Ende findet und langsam bewegt sich etwas. Am Amtsgericht Bautzen - das Gericht, an dem die Ergebnisse eines Lügendetektors nicht nur in familienrechtlichen sondern auch in strafrechtlichen Verfahren verwendet wurde - fand eine öffentliche Diskussion statt, die von einem Vertreter des sächsischen Justizministeriums moderiert wurde. Unsere juristische Referentin Dr. Franziska Drohsel saß auf dem Podium und vertrat deutlich, warum der Einsatz von Lügendetektoren vor Gericht nichts zu suchen hat. Der Bundesgerichtshof hatte dieses Verfahren bereits 1998 als unzulässig erklärt.

UBSKM und Betroffenenrat wurden verstetigt, die Aufarbeitungskommission verlängert

Das Bundeskabinett hat nun endlich die dauerhafte Einrichtung des Amtes des/der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) beschlossen. Das bedeutet auch, dass die Arbeit des Betroffenenrats verstetigt wird. Darüberhinaus wurde die Laufzeit der Aufarbeitungskommission (UKASK) bis Ende 2023 verlängert. Weiterhin soll sie über Ausmaß, Ursachen und Folgen von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige aufklären, Betroffene anhören, Wege zur Anerkennung des Unrechts aufzeigen, Forschungslücken identifizieren und Empfehlungen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt sowie deren Aufarbeitung unterbreiten. Allerdings wurden die Kompetenzen der UKASK nicht erweitert, so dass es weiterhin keine Rechtsgrundlage z.B. für die Akteneinsicht gibt.

Außerdem
Vielfalt e.V. aktualisiert Datenbank: Bitte um Unterstützung

VIELFALT e.V. bietet seit 1995 Information und Beratung für Menschen mit dissoziativer Identitätsstruktur (DIS, „Viele-Sein“).  Oft gibt es einen Hintergrund schwerer frühkindlicher familiärer oder organisierter bzw. organisierter ritueller Gewalt.

Seit 2009 führt VIELFALT e.V. eine Datenbank mit Adressen und spezifischen Informationen, die als regionale Listen zum persönlichen Gebrauch an Hilfesuchende weitergegeben werden. Aktuell wird diese Datenbank aktualisiert und erweitert. Damit Betroffene möglichst umfassende und korrekte Informationen bekommen, braucht VIELFALT e.V. Ihre Unterstützung.

Wenn Sie Betroffene beraten/begleiten, tragen Sie sich bitte in die Datenbank ein - weitere Informationen dazu finden Sie hier.

BKSF - Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend Uhlandstraße 165/166,
10719 Berlin
Telefon: 030/88 91 68 66,
Fax: 030/88 91 68 65

info@bundeskoordinierung.de
www.bundeskoordinierung.de

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