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Fachberatung in der Pandemie: "Corona-Studie" von BKSF, BZgA und SOFFI F. untersucht Auswirkungen der Krise

Gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Forschungsinstitut SOFFI F. haben wir im Sommer 2000 eine Befragung von 200 Fachstellen durchgeführt. Wir wollten erfahren, wie die Corona-Krise das Arbeiten in den Einrichungen verändert hat, wie sie auf Betroffene wirkt, die die Beratungsstellen aufsuchen und was es bräuchte, um auch in Zukunft "krisenfest" zu sein.

Nun liegen erste Ergebnisse vor, die wir hier schon einmal vorstellen können. Eine offizielle Veröffentlichung der Studie steht noch aus. Die wesentlichen Schlussfolgerungen der Befragung stellen wir hier vor.

Schlussfolgerungen

  • Gewaltbetroffene Personen weisen eine höhere Vulnerabilität auf

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Betroffenen von sexualisierter Gewalt eine Verstärkung von traumabedingten Symptomen verursacht. Fachberatungsstellen beobachten bei ihren Klient*innen eine Zunahme von Angst- und Ohnmachtsgefühlen (51 %), belastenden Gedanken (48 %), emotionaler Instabilität (44 %) und Vermeidungsverhalten (33%).

  • Die Erreichbarkeit von gewaltbetroffenen Kindern und Jugendlichen war
    während des ersten Lockdowns stark eingeschränkt

Kinder und Jugendliche werden meist durch Lehrkräfte oder Schulsozialarbeitende an Fachberatungsstellen vermittelt. Aufgrund der Schul- und Kitaschließungen war diese Vermittlung nicht gegeben. Folglich meldeten die Fachberatungsstellen während des Lockdowns einen starken Rückgang von Hilfegesuchen. Die Kontaktaufnahme zu Mädchen und Jungen, die akut von sexualisierter Gewalt betroffen sind, sowie entsprechende Interventionen waren in diesem Zeitraum kaum möglich. Nach der Öffnung von Schulen und Kitas stiegen die Hilfegesuche.

  • Spezialisierte Fachberatung wirkt nachhaltig und stabilisiert Betroffene auch in
    gesamtgesellschaftlichen Krisen

Der Arbeitsansatz von Fachberatungsstellen mit Betroffenen zur Bewältigung von sexualisierter Gewalt fördert die Resilienz von Betroffenen. Fachberatungsstellen berichten, dass Klient*innen auf bereits erlernte Traumabewältigungsstrategien zurückgriffen, um die Corona-Maßnahmen und die damit einhergehende Fremdbestimmung zu meistern. Dies unterstreicht den ganzheitlichen Nutzen der spezialisierten Beratungsarbeit für Betroffene.

Forderungen

Das Recht auf Beratung, das Kindern und Jugendlichen zusteht, muss auch in der Pandemie gewährleistet werden. Dazu braucht es ein flächendeckendes Netz von Fachberatungsstellen, die für alle Betroffenengruppen niedrigschwellige Beratung und Begleitung anbieten können. Außerdem benötigen Fachberatungsstellen  mehr Ressourcen, um ihre Arbeit krisenfest und niedrigschwellig gestalten zu können. Dabei geht es neben der finanziellen Ausstattung für Schutzmaterial und Hygienekonzepte vor allem um die technische Ausrüstung für digitale Angebote.

Eine ausführlichere Version aller Punkte gibt es in der PDF im Downloadbereich.

 

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